London Calling

von Martin

Vorspiel:
Dienstagmorgen, 04:15 Uhr, der Wecker klingelt. Der erste Gedanke, der in diesem Moment durch den Kopf schießt: „Warum tust du dir das an?“ Doch nachdem die alten Knochen, von den üblichen Schmerzen begleitet, aus dem Bett gehievt sind, kippt die Stimmung ins Positive und die Vorfreude auf die kommenden Tage in London hat ab sofort die Oberhand gewonnen.
Schnell die letzten blau-weißen Klamotten eingepackt, auf zum Flughafen und keine 3 Stunden später stehste schon fast bei Lisbeth im Garten, und du merkst wieder, der Faszination dieser Stadt kannst du dich einfach nicht entziehen.
Nachdem das Gepäck im Hotel deponiert ist, wird erst einmal das Revier gecheckt. Will heißen, welche Pubs sind fußläufig erreichbar und welchen ersten Eindruck hinterlassen sie. Wobei das mit dem Eindruck eigentlich einerlei ist, schließlich sehen die Lokalitäten zur Flüssigkeitsaufnahme in London so ziemlich alle gleich (gut) aus.
Die ersten Biere lassen dann auch schnell die Reisestrapazen vergessen. Beans, sausages, eggs, ham and mushrooms, in dieser Kombination Insidern auch unter dem Namen „English breakfast“ bekannt, sorgen zudem für eine gute Grundlage zur Bewältigung der vor uns liegenden Aufgaben.
Vor fast genau einem Jahr, als unser ruhmreicher S04 gegen die Gunners spielte, haben wir das Abschlusstraining leider nicht (mehr) mitbekommen. Dieses Jahr, so unser Vorsatz, schauen wir da mal vorbei. Gesagt, getan, schnell mit dem Bus nach Fulham (ja, da spielt Chelsea) und nach kurzem Fußmarsch zum Stadion dann, …oh je, die große Enttäuschung. Irgend ein Depp ist auf die glorreiche Idee gekommen, die Öffentlichkeit nicht ins Stadion zu lassen, so bleiben uns nur ein paar Blicke durch die Türspalten, um ein bisschen von der Atmosphäre aufzusaugen.
Den Rest des Abends beschränken wir uns wieder auf das, was wir am besten können…
Irgendwann obsiegt bei allen die Müdigkeit nach dem nun doch sehr langen Tag und insgeheim ist man froh, dass die Pubs in England zeitig schließen, so dass die Gefahr des Versackens gegen Null tendiert.

Spiel:
Mittwochmorgen, Spieltag, das übliche Gefühl an solchen Tagen, ein Gutes wohlgemerkt, wie immer halt, bloß heute noch ein Stück weit besser, auch wie immer halt ;-).
Davon getragen absolvieren wir das obligatorische London-Sightseeing-Programm mit dem Doppeldeckerbus der Linie 23, um dann möglichst schnell mit den anderen Schalkern Kontakt aufzunehmen. Hierfür wurde vom Fanclub Schalke-UK der Pub Silver Cross auserkoren. Eine gute Wahl, ist diese Lokalität mitten in der Stadt doch bestens dazu geeignet, die Massen an Blau–Weißen aufzunehmen.
Mittlerweile hat auch Arndti nach mehrstündigem Miteinanderkommunizierens den Weg zu uns gefunden. Anstatt mit uns zu feiern, zieht er jedoch erst mal ein kleines Schläfchen vor, es sei ihm nach seiner langen Anreise gegönnt.
So langsam wird draußen die Helligkeit von der Dunkelheit abgelöst, oder liegt das an unserem Zustand? Na ja, auf jeden Fall wird es Zeit, sich mal Richtung Stadion aufzumachen.
Stamford Bridge, ein Name der es in sich hat. Hier wurden schon einige Schlachten geschlagen und heute sind wir Schalker mal wieder die Protagonisten.
Doch auf dem Weg ins Stadion schon der erste Schock. Die von uns in der Hand geführten bunten Trinkgefäße aus Weißblech werden von freundlichen, aber auch bestimmten Bobby’s „entwendet“ und der Inhalt im nächsten Gully entsorgt. Kurzes Innehalten, ein entschlossenes „Nicht mit uns!“ und zurück zum Kiosk zur Neueindeckung.
Das Spiel beginnt aus Schalker Sicht sehr ansehnlich, wir können uns in der Anfangsphase sogar ein paar Chancen erspielen. In der 31. Minute jedoch kriegen wir ein Ding, was wohl in jedem Jahres-fußballrückblick Eingang finden wird. Irgendwie verwechselt Hilde in dem Moment die Sportart und schießt Eto’o in gekonnter Billard-Manier an, von dessen Bein prallt der Ball ab und trudelt ins Tor.
Sch…..!!! Das wars, zumindest auf dem Platz.
Auf den Rängen hingegen übernehmen die Schalker das Kommando, Hilde wird mit Sprechchören gefeiert und die Mannschaft bis zum Spielende bedingungslos unterstützt. Da können die Chelsea-Mode-Fans nur staunen und bekommen von den Schalkern immer wieder zu hören: „You only sing when you are winning“, obwohl, selbst das tun se ja nicht.
Mit dem 0:3 im Gepäck ziehen wir wieder in die Londoner Nacht.

Nachspiel:
Donnerstagmorgen, das gute Gefühl von gestern ist irgendwie abhanden gekommen, eher macht sich ein wenig Ernüchterung breit, nicht nur im wahrsten Sinne des Wortes. Aber watt soll’s, Basel und Bukarest haben wieder für uns gespielt, also ist für unsere Jungs noch alles drin.
Zumindest ist das Wetter schön, so dass die restlichen Stunden nochmals zum London-Gucken genutzt werden können.
Der zuvor heruntergefahrene Adrenalin-Spiegel wird zu guter letzt auch noch einmal gepusht. Den vermeintlichen Zeitpuffer auf dem Bustransfer zum Flughafen haben wir in der Londoner Rush-Hour dermaßen schnell aufgezehrt, dass wir es genau 15 Minuten vor Abflug zum Gate schaffen.
Puh, aber wie heißt es so schön: Alles wird gut!


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