Blau und weiß wie der Schnee - Bukarest international

von Hüpp

29.08.2013, 2 Tage nachdem wir uns durch ein 3:2 Auswärtssieg in Saloniki für die Champions League qualifiziert hatten, stand die Auslosung der Gruppenphase an. Die Losfee bescherte uns u.a. Gegner wie Chelsea London und Basel. Das interessanteste Los war jedoch Bukarest. Noch bevor ich mich über das Ergebnis der Auslosung informieren konnte, hatte ich schon eine aufgeregte SMS meines rumänischen Kumpels Alex erhalten. "Hast du schon gesehen? S04 in Rumänien. Da müssen wir hin!"

Gesagt getan... Das übliche Prozedere begann. Wer kommt mit? Wie kommen wir hin? Wie lange bleiben wir? Welches Hotel/Hostel? Die Reisegruppe sollte letztendlich die stattliche Anzahl von 8 Personen erreichen. (4x)RPK and friends! Die erste Vorhut erreichte Bukarest bereits am Samstag vor dem eigentlichen Spieltag. Ganz praktisch für alle Nachzügler, konnten sie doch bereits die Altstadt auf empfehlenswerte Kneipen abchecken. Dieser Aufgabe schienen die beiden auch mit voller Hingabe nachzugehen. Als wir am Montag von Bonn über Lüdenscheid nach Bukarest einflogen, wurden wir von einem ziemlich angeschlagenen Duo in Empfang genommen. Aber eine internationale Auswärtsstour ist kein Erholungsurlaub, so dass wir direkt nach dem Einchecken im Hostel dieses in Richtung Altstadt verließen. Und es wurde uns im Vorfeld nicht zu viel versprochen. Ein kleine aber feine Altstadt mit einer großen Anzahl an guten Kneipen und leckerem Bier lud dazu ein den Abend und die Nacht etwas länger werden zu lassen als eigentlich geplant. Sofort in der ersten Kneipen wurden diverse bekannte Gesichter entdeckt und auch die anderen, am Sonntag bereits eingeflogenen RPKler kamen dazu. Nach mehreren Stationen landeten wir schließlich in einem Pub der komplett in Schalker Hand war. Augenzeugenberichten nach zu urteilen soll dies bereits seit dem Wochenende so gewesen sein, so dass sich auch der DJ schon auf die deutschen Schlachtenbummler eingestellt hatte. Das ein oder andere königsblaue Lied wurde immer wieder von bescheuerten Ballermannhits gestört. Ein guter Grund nach 5 bis 10 Bierchen den Laden ein letztes mal für diesen Abend zu wechseln...

Der Spieltag wurde dementsprechend eher schleppend gestartet. Ausschlafen, Kater bekämpfen und schließlich ein bisschen Sightseeing. Bukarest scheint echt ein nettes Städtchen zu sein, wäre da nicht das Wetter gewesen. Tage zuvor noch mit Temperaturen im zweistelligen Bereich gesegnet, durften wir uns dagegen an Werten knapp um den Gefrierpunkt und Schneefall erfreuen. Das Erkunden der Stadt wurde so auf ein Minimum reduziert und man landete schnell wieder in einer der vielen Kneipen. Kurz bevor es dann zu dem von den UGE ausgerufenen Treffpunkt gehen sollte machte die Info die Runde, dass eben dieser von der Polizei verboten wurde. Auch die Altstadt war mittlerweile an vielen Stellen von den örtlichen "Grünen" abgesperrt und so blieb uns eigentlich nur der Weg zu den bereitgestellten Bussen. Noch mit ein zwei Dosen Bier eingedeckt und los gings... Was einige RPKler noch aus Istanbul kennen, wiederholte sich auch in Bukarest. "Letzte Reihe asozial" besetzt mit Allesfahrern für die keine Regeln gelten... Gute 2 Stunden vor Anpfiff wurden wir als erste Reisegruppe am Stadiongelände ausgespuckt. Wurden wir dort am Eingang noch viermal mehr als gründlich durchsucht und der ein oder andere sogar seines Feuerzeugs entledigt, so wurde dem Vernehmen nach später kaum mehr kontrolliert. Sehr sinnige Vorgensweise. Aber man mag es ihnen nicht übel nehmen, denn übertriebener Sicherheitswahn wäre bei den nicht anwesenden Massen von gegnerischen Fans kaum angebracht. Nachdem sich an den Heizungen der Toilettenräume aufgewärmt wurde machten es sich die Schalker im Oberrang gemütlich. Im Rest des weiten Runds war jedoch kaum eine Menschenseele zu finden. Bei so einem Geisterspiel kommt nur schwer Europacup-Feeling auf. Dazu noch die eisigen Temperaturen und ein mehr als dürftiges Spiel auf dem Rasen und die Lust am reinen Fussballerlebnis schwindet für die 90 Minuten auf ein Minimum. Schalke hatte das Spiel teilweise im Griff ohne aber mit Ideen zu glänzen, wie man sich mal gefährlich vor das gegnerische Tor kombinieren könnte. Am Ende musste man sogar noch froh sein, dass Bukarest eben auch keine internationale Spitzenmannschaft stellt und ihre Angriffe ebenfalls nur kläglich ausspielte. Ein Sonderlob verdiente sich in der ein oder anderen Situation nur unser Torwart. Leider passte sich auch die Stimmung im Block dem Spiel und den frostigen Temperaturen an. Scheinbar froren einige Stimmbänder schon vor Spielbeginn ein, so dass während der 90 Minuten nicht viel berichtenswertes im Block passierte. Eher ein schwacher Auftritt der Nordkurve Gelsenkirchen! Dies sah wohl auch ein gut betankter Schalker eine Reihe hinter uns so. Er fand das Spiel im wahrsten Sinne des Wortes zum Kot*** und tat seine Meinung ab Mitte der zweiten Hälfte auch offenherzig kund.
Die größte Freude beschwerte uns dann der Apfiff. 45 Minuten Blocksperre absitzen und ab in die warmen Busse. Zurück in der Altstadt trennten sich dann die Wege. Die einen fielen durchgefroren und gezeichnet von den letzten Tagen für ihre letzte Nacht in die Hotelbetten und wir machten uns nochmal auf in die Altstadt.

Das gute Bier verhinderte auch am folgenden Tag das frühe Aufstehen und der Blick aus dem Fenster lud ebenfalls nicht gerade dazu ein einen Tag im Freien zu verbringen. So wurde am Nachmittag das örtliche Einkaufszentrum geentert und im Anschluss ein rumänisches Restaurant. Für nen kleinen Euro gabs bestes Essen auf die Gabel und leckeres Bier in Tonkrügen wurde serviert. Dazu ein paar traditionelle Tanzeinlagen des Personals und man erlebte doch noch ein nettes Stück Rumänien. Im Anschluss sollte es noch auf einen Absacker gehen und dann zeitnah in die Betten um am nächsten Tag ausgeruht die Heimreise anzutreten. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt... Eine unerwartete Party kreuzte unseren Weg, in unseren Taschen fanden sich noch einige Leis und so kamen wir schlussendlich auf 2 Stunden Schlaf bevor wir uns am nächsten Morgen gegen 8:30Uhr auf den Weg zum Flughafen machten um ins warme Deutschland zu flüchten... Es ging uns schonmal besser auf so einer Rückreise, aber international ist eben kein Erholungsurlaub! *


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