Frankys „Frigadelle“ oder: die richtigen Rezepte
Geschrieben von David


Vor dem Spiel habe ich mir eine scheinbar raffinierte Taktik zurecht gelegt: Wenn ich wählen müsste zwischen Derbysieg und Viertelfinaleinzug in der Champions League, wäre mir aus Vernunftgründen letzterer lieber, sagte ich mir und anderen Schalkern immer wieder, um mich selbst zu beruhigen und für den Fall einer Derbyniederlage vorzubeugen. Bereits unter der Woche hatte ich mir vorgenommen, möglichst nüchtern und rational an das „größte Derby, das man in Deutschland spielen kann“ (Jens Keller) heranzugehen. Mit der Nüchternheit hatte es traditionell auf der Zugfahrt ein Ende, mit der Rationalität spätestens mit dem Anpfiff. So raffiniert war die Taktik dann wohl doch nicht. Jedenfalls funktioniert sie nicht beim Revierderby – denn das hat bekanntlich, wie der Pokal, seine eigenen Gesetzmäßigkeiten.

Die richtige Taktik bzw. das richtige Rezept hat dagegen Jens Keller gefunden. Die Mannschaft war von Beginn an so aggressiv, wie der schwarzgelbe Sonderzugfahrermob aus Lüdenscheid, der wenige Stunden vorher am Gelsenkirchener Hauptbahnhof die zeitgleich mit der S-Bahn ankommenden Schalker über die Gleise hinweg mit Glasflaschen und Böllern bewarfen, ohne dabei jedoch niemals so unfair und kopflos zu agieren. Ganz im Gegenteil: Schalke überzeugte auch spielerisch und war wie im Hinspiel die (leicht) bessere Mannschaft. Weil die Dortmunder auch ein bißchen kicken können, entwickelte sich trotz der zwischenzeitlichen 2:0 Führung von Beginn an ein Derby auf Augenhöhe – für mich, gemessen an der Qualität der Akteure, das beste und intensivste Derby der letzten 10 Jahre.

Erklärungen für den Derbysieg gibt es viele, man muss nur daran glauben: Die Spieldaten sprechen für Schalke, Keller hat Klopp ausgecoacht, Draxlers Derbykampffrisur, Götze hat keine Eier (mehr), Schalke ist sowieso viel besser wie Dortmund, der Fußballgott, Matip und dieser Schneid, den wir den wir den Dortmundern in der ersten Hälfte abgekauft haben (Horst Heldt hat geschmunzelt, aber nicht dementiert).

Ich glaube allerdings, dass es Frankys „Frigadelle“ waren, die uns das Derbyglück gebracht haben. Jedenfalls glaubt Franky das, glaube ich. Und ich glaube das auch, weil Fansein ohne Aberglauben nur schwer zu ertragen ist. Schade nur, dass wir nun erst wieder vor dem nächsten Derbysieg in den Genuss der ausgezeichneten Frigadellen mit Roquefortkäsefüllung kommen werden, weil die Derby“frigadellen“ für profane Siege nicht verwendet werden dürfen, weil ihnen sonst das Besondere genommen wird, hat Franky gesagt. Aber Franky, unser Konzeptkoch, sucht schon nach anderen Rezepten, für andere Gegner. Gut so: dann sind wir weniger ausrechenbar.

Auf Kathrins Einweihungsfete (Daniel: sic!) in Bonn haben sechs Rheinpottkanaken den Derbysieg noch angemessen besungen und betrunken – vielen Dank an dieser Stelle für die geile Sause! Schallte es erst Weil es unser Leben ist und Derbysieger, Derbysieger durch den dreistöckigen Hausflur, trugen wir um Mitternacht mit Veltins geölter, aber Derbysieg strapazierter Stimme unseren Anteil zu einer Hardchorusversion von Wie schön, dass Du geboren bist zu Ehren Kathrins Mitbewohnerin bei (wann ruft PUMA an, um mit uns vor dem Pegel ein Youtube-Geburtstagsvideo zu drehen?). Tommy überzeugte zudem mit Kenntnissen der dritten Strophe des Rolf Zuckowski-Klassikers, die sonst niemand kennt: Unsere guten Wünsche, haben ihren Grund

Gute Wünsche habe ich auch für unser Champions League-Spiel gegen Galatasaray am Dienstag. Und um diesen ein wenig nachzuhelfen, werde ich wohl vor dem Spiel ein paar türkische Frikadellen verdrücken oder einen Döner oder eine Sucuk, mal sehen. Und wer weiß, vielleicht gibt’s ja Frankys „Frigadelle“ dann auch schon bald wieder: im Mai in London vor dem dritten Derbysieg der Saison. Wir brauchen nur die richtigen Rezepte.


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